Ich komme am Westbahnhof an, nicht am Stephansplatz und genau das fühlt sich richtig an. Am westlichen Ende der Mariahilfer Straße, dort wo die Stadt in Neubau und Rudolfsheim-Fünfhaus auseinanderdriftet, öffnet The Companion Vienna seine Türen. Kein Hotel für Postkarten-Wien, sondern eine Hommage an Freundschaft, dort wo Werkstätten statt Fiaker und Cafés statt Kutschen den Takt vorgeben. Ich checke nicht ein, ich komme an.
Hinter dem Haus stehen vier Freunde, Kai Hollmann, Florian Kollenz, Christian Lainer und Michael Todt, bekannt aus der Wiener Hospitality-Szene durch die Superbude Wien und NENI am Prater. Ihr Anspruch war kein weiteres anonymes Stadthotel, sondern das Gegenteil davon, ein Ort, der sich anfühlt wie ein Zuhause bei Freunden. Man merkt das schon an der Rezeption, niemand hier wirkt, als würde er auf die Uhr schauen.
Draußen pulsiert ein Wien, das wenig mit Kutschenfahrten zu tun hat. Werkstätten, kleine Cafés, echtes Nachtleben. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen rauem Grätzl-Charme und kuratiertem Design liegt das Haus, unaufgeregt, aber mit klarer Haltung.
I — Das Design
Choreografie
der Gegensätze.
Entworfen hat das Haus das Berliner Innenarchitekturbüro weStudio unter der Leitung von Piotr Wiśniewski. Ich sehe die alte Stiege noch, freigelegte Bauteile, Stuckdecken, die auf Marmorflächen und Holzarbeiten treffen. Nichts davon wurde versteckt. Regale aus glänzendem Bubinga-Furnier rahmen den Kamin in der Lobby, Terrazzo-Böden knüpfen an die Wiener Materialgeschichte an, eine durchgängige schwarze Wandleiste führt mich, fast unbemerkt, durch das gesamte Gebäude.
Die Macher selbst sprechen von einer „Choreografie der Gegensätze". Tradition trifft auf Moderne, historischer Stuck auf klare, zeitgenössische Linien, die alte Wiener Werkstätte auf ein zeitloses, reduziertes Vokabular. Nichts wirkt aufgesetzt. Nichts wie eine Kopie vergangener Epochen. Es ist eher ein Dialog zwischen dem, was das Haus schon immer war, und dem, was es jetzt sein will. Lobby und Bar sind als eine Art Nachbarschaftssalon konzipiert, orangefarbene Lederbänke, Wiener-Geflecht-Stühle, Reihen von Kugellampen.
Wiśniewski selbst beschreibt seinen Ansatz als Versuch, die Eleganz eines klassischen Wiener Gebäudes zu bewahren und sie zugleich neu für die Gegenwart zu übersetzen. Ich glaube ihm das sofort, wenn ich sehe, wie Marmor, Terrazzo und Holz nebeneinanderstehen, ohne sich gegenseitig zu übertönen.
II — Die Bar Calypso
Mythologie,
nach Wien übersetzt.
Über einen separaten Eingang am Gürtel gelangt man in die Bar Calypso, eine Welt aus rotem Marmor, Samt und mythologischen Bezügen. Ionische Säulen treffen auf Rückgriffe auf die Wiener Werkstätte. Die Cocktailkarte greift die Mythologie der Figur Calypso auf und übersetzt sie in kreative Signature Drinks, dazu eine kleine Karte mit Fokus auf klassische Rezepturen. Bis 22 Uhr steht der Innenhof als urbane Oase offen, mein Rückzugsort abseits des Trubels am Gürtel.
Der eigene Eingang ist kein Zufall, sondern Programm. Die Calypso soll ausdrücklich nicht nur Hotelgästen vorbehalten sein, sondern auch dem Wiener Nachtleben offenstehen. Mitbegründer Florian Kollenz beschreibt genau diesen Kontrast als gewollt, wer vom Trubel des Gürtels kommt, soll den Übergang in die Bar wie einen kleinen Szenenwechsel erleben. Laut draußen, warm und gedämpft drinnen. Ich spüre den Unterschied, sobald sich die Tür schließt.
Von Sonntag bis Donnerstag öffnet die Bar bis Mitternacht, freitags und samstags bis zwei Uhr morgens, mit DJ-Sets und einem Publikum, das zwischen Hotelgästen und Nachbarschaft kaum zu unterscheiden ist. Genau das war die Idee dahinter, ein Ort, an dem sich beide Welten wie selbstverständlich begegnen.
III — Das Zimmer
Kleines Maß,
großes Gefühl.
138 Zimmer verteilen sich auf Kategorien wie Solo, Poet, Muse, The Balcony, Nest und Roomies, manche schmal, andere großzügiger, einige mit unregelmäßigen Grundrissen, die sich an der bestehenden Gebäudestruktur orientieren. Naturstein im Bad, Vollholzparkett, übergroße Handtücher, weiche Bettwäsche. Ich merke schnell, Komfort hat hier nichts mit Quadratmetern zu tun. Sichtbare bauliche Spuren bleiben bewusst erhalten und unterstreichen den authentischen Charakter des Hauses.
Die Namensgebung der Kategorien folgt keinem Zufall. Jede erzählt eine kleine Geschichte: Das Solo für Alleinreisende, kompakt und klug durchdacht. Das Nest als besonders geborgener Rückzugsort. Roomies für Freundesgruppen, die sich einen verbundenen Flur teilen. Wer mit der Familie reist, kann Poet und Muse über einen privaten Zugang miteinander verbinden, ein Detail, das im Alltag mehr zählt als die reine Quadratmeterzahl.
IV — Das Restaurant Boca
Der Süden,
nach Wien geholt.
Küchenchefin Lauryn Therin, gebürtige Neuseeländerin mit Stationen unter anderem bei Ottolenghi in London, bringt mediterrane Marktküche in den 15. Bezirk. Sharing-Gerichte mit frischen Kräutern, intensiven Gewürzen und saisonalen Zutaten verbinden Inspirationen aus Paris, Barcelona, London und San Sebastián. Jeder Teller bringt mediterrane Essenz an einen großen Tisch. Namensgebend ist das spanische Wort für Mund, ein bewusst gewähltes Bild für eine Küche, die auf Teilen und Genuss setzt statt auf strikte Menüfolgen, mehrere kleine Teller, die man gemeinsam entdeckt, Gespräche, die zwischen den Gängen genauso wichtig sind wie das Essen selbst. Vom entspannten Frühstücksbuffet über Lunch und Dinner bis zu Drinks und langen Sommerabenden im Innenhof, das Boca ist für mich schnell zum Treffpunkt über den gesamten Tag geworden.
Architektonisch setzt sich hier fort, was schon in Lobby und Zimmern spürbar ist: orangefarbene Lederbänke, geflochtene Wiener Stühle, Reihen von Kugellampen. Ein Raum, der gleichzeitig gastronomisch anspruchsvoll und alltagstauglich bleibt. Ich komme zum schnellen Kaffee genauso wie zum langen Abendessen, das Boca stellt sich beiden Anlässen mit derselben Selbstverständlichkeit.
The Companion Vienna — Details
Redaktioneller Hinweis
Dieser Text wurde mithilfe von KI erstellt und von der Redaktion angepasst und geprüft.




































